« Zurück

03.12.2016 Bernd Wackerbauer

„Jacques – Entdecker der Ozeane“

Kino-Preview

© DCM Film Distribution

 

Im neuen Kinofilm "Jacques - Entdecker der Ozeane" ist Lambert Wilson in der Rolle des französischen Filmemachers und Abenteurers Jacques-Yves Cousteau zu sehen.

 

Familie Cousteau beim Tauchgang © DCM Film Distribution

 

Der Film bringt mich zurück zu den Helden meiner Kindheit.
Als auch die Unterwasserwelt noch in Schwarzweiß war.
Jacques-Yves Cousteau und Hans Hass brachten uns diese Welt so nahe, als wären wir selbst dabei gewesen.
Was Bernhard Grzimek und Heinz Sielmann für Dokumentarfilm und Forschung bei Landlebewesen waren, das waren Hass und Cousteau für die Unterwasserwelt.
Von all diesen Größen der Fernsehunterhaltung war aber für mich Cousteau mit Sicherheit am coolsten.
Wie er und seine Crew von der "Calypso" mit dem Zodiac zum Tauchplatz fuhren – unerreicht.

 

Jacques-Yves Cousteau (Lambert Wilson) mit Sohn Philippe (Pierre Niney) © DCM Film Distribution

 

Der Film "Jacques - Entdecker der Ozeane" von Regisseur Jérôme Salle widmet sich der Lebensgeschichte von Cousteau (gespielt von dem französischen Schauspieler Lambert Wilson) auf vielschichtige Weise: Er beschreibt die Wandlung vom Marineoffizier und Miterfinder der Aqualunge, also des ersten Atemreglers, über den Entdecker und Meeresforscher bis hin zum eitlen Medienstar und Frauenhelden. Ein Egomane, der seine Familie, Freunde und Wegbegleiter auf seinem Weg dem Erfolg opfert. Dessen Projekte, zum Beispiel das einer Unterwasserstadt, einem heute höchst abstrus vorkommen und dessen spätes Engagement für den Natur- und Umweltschutz vor allem seinem Sohn Philippe Cousteau (im Film: Pierre Niney) zuzuschreiben ist.
Keine Frage: Ein Film über Cousteau muss all diese Fragen stellen.
Täte er das nicht, wäre ich der Erste, der das kritisieren würde. Aber wollte ich das wirklich so sehen? Die - zumindest teilweise - Demontage eines meiner Kindheitsidole!?
Wollte ich wirklich sehen, wie Audrey Tautou („Die fabelhafte Welt der Amelie“) in der Rolle seiner Ehefrau, zu einer alten, im wesentlichen von Alkohol und Zigaretten lebenden, frustrierten Frau wird?

 

Simone Cousteau (Audrey Tautou) © DCM Film Distribution

 

Einiges im Film erscheint mir aus dramaturgischen Gründen doch überspitzt und teils auch ungenau dargestellt zu sein.

Für uns Taucher birgt er auch einige Momente der unfreiwilligen Komik bei den Unterwasseraufnahmen.
So wird mir zum Beispiel ein Rätsel bleiben, wie ein Taucher mit drei locker über den Rücken gebundenen Pressluftflaschen und einer Badehose tariert.
Natürlich darf auch ein ziemlich abstruser Haiangriff nicht fehlen.

Die Unterwasseraufnahmen sind jedoch durchaus auf sehr hohem Niveau. Vor allem die Naturaufnahmen der Antarktis haben mir sehr gut gefallen. Als Zuschauer sollte man jedoch nicht mit der Erwartung ins Kino gehen, das ein Film über Cousteau vor allem Unterwasser spielen würde.


Auch wenn es mit Sicherheit nicht möglich ist, ein so ereignisreiches und abenteuerliches Leben, wie das von Cousteau erschöpfend in einem Kinofilm darzustellen, empfand ich den Versuch als durchaus betrachtenswert. Mit gut zwei Stunden aber auch ein wenig lang.
Der Film läuft ab dem 08.12.16 in deutschen Kinos.

 

Schlagworte
« Korallenbleiche Tauchen im Dive4Life »

Kommentare

Einen Kommentar schreiben

Bitte rechnen Sie 3 plus 6.